Das Eigengewicht ungewohnter fremder und schöner Klänge

Concerti über den Start der “T-House-Tour”

 

“Die T-House Tour heißt dieses neueste Bühnenexperiment von Novoflot, welches sich, wie Ende 2013 bereits die eigenwillige Restauration der russischen Futuristenoper Der Sieg über die Sonne, über mehrere Tage erstreckt. Damals gab es zum Teil improvisatorisch immer neu disponierte Aufführungen an verschiedenen Berliner Orten über etwa zehn Tage, nun erstrecken sich die „Tourstationen“ über fünf Events bis zum Januar 2015.

 

Man ahnte es schon bei der Futuristenoper: Der Gedanke des zeitlich und örtlich nicht mehr zusammenhängenden Bühnenwerks wird von Novoflot auf das Auseinanderbrechen der traditionellen Kulturinstitutionen bezogen, die die Wiederkehr und die Neuschöpfung des Zusammenhängenden überhaupt garantiert haben. Die Folgen dieses Auseinanderbrechens sollen nicht dafür sorgen, dass das Publikum lediglich – parallel zu den feuilletonistischen Klagen über kulturpolitische Sparmaßnahmen – die Abwesenheit von etwas empfindet. Dies ist wohl einer der zentralen Novoflot-Gedanken. Es soll Neues entstehen, nicht aus dem Mangel heraus, nicht aus dem selbstbezüglichen Nachdenken über prekäre, unflexible Produktionsbedingungen, also eben nicht wie in den alten unbeweglichen Stadttheater-Strukturen, sondern viel Kunst-und-Welt-umfassender …

Zusammenhänge lassen sich für den Zuschauer aus dem im Radialsystem Erlebten vielleicht erst mehrere Tage nach dem unmittelbaren Genuss ziehen, doch um diesen muss man sich bei der Aufführung keine Sorgen machen. Novoflot zielt, stärker noch als bei früheren, sehr an Konzepten orientierten Produktionen, auf das, was den Zuschauer in Bann ziehen kann: die Sinnlichkeit, das Eigengewicht ungewohnter, fremder und schöner Klänge”

Bildschirmfoto 2014-10-10 um 09.41.01

 

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